Die sexistisch beschlagene Brille

Wenn Männer einen angestrebten Job nicht erreichen oder aus einer Stellung entlassen werden, machen sie niemals sexistische Verhältnisse dafür verantwortlich. Sie nehmen es selbstkritisch hin, ärgern sich gehörig, trinken ein Bier oder zwei und strengen sich beim nächstenmal um so mehr an. Erreicht eine Frau einen angestrebten Job nicht oder wird aus einer Stellung entlassen, macht sie dafür oft genug sexistische Verhältnisse verantwortlich. Es war eine Benachteiligung, weil sie eine Frau ist, nicht weil sie möglicherweise inkompetent ist. So vermeiden viele Frauen die Selbstkritik. Ein Beispiel: Die erfolgreiche Talkshow-Moderatorin Bettina Böttinger, die im WDR die Sendung "B. trifft" präsentiert, konnte im Ersten Programm der ARD nicht landen. Die "Frankfurter Rundschau" berichtete darüber. Sie schrieb: "Im Geschlechtsunterschied sieht die Moderatorin den Hauptgrund, dass der WDR sie mit der Sendung >B. fragt< ganz schnell wieder fallen ließ, als es schlechte Kritiken hagelte und die Quoten mäßig waren." Obwohl es "schlechte Kritiken hagelte und die Quoten mäßig waren", führt Frau Böttinger unbeirrt ihre Geschlechtszugehörigkeit als Grund für ihre Erfolglosigkeit ins Feld. Kein Mann käme bei gleicher Sachlage auf diese Idee! Frau Böttinger dürfte davon ausgehen, dass jeder sie sehen will, egal, wie gut oder wie schlecht sie ist. Das nenne ich einen glasklaren Blick durch eine sexistisch beschlagene Brille.

Männer lassen es auch zu, dass man sie als "Frauenfeinde" beschimpft, wenn sie Frauenverhalten kritisieren. Wenn sie Männerverhalten kritisieren, gelten sie dagegen nicht als "Männerfeinde", sondern als – "Frauenfreunde". So dreht sich alles ausschließlich um Frauen – und Männer sind damit zufrieden. Ich habe dies in Talkshows oft erlebt. Unsere Medienlandschaft ist von einem Brodeln der Frauenthemen geradezu erfüllt. Männerthemen werden unter der Rubrik abgehandelt: Wie oft prügelte er seine Frau ins Frauenhaus!